Donaugebet 30. Mai 2021

 

Die Erde Er-schöpft, Böden im Burnout - Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu!

 

Josef Göppinger und Team

 

Begrüßung

 

Lied Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig…(Kanon)

 

Wahrnehmungsübung als Gebet

 

Gott, ich stehe aufrecht vor dir –

meine Füße verbinden sich mit der Erde –

ich spüre den Boden unter meinen Füßen –

meine Fußsohlen sind fest mit dem Boden verbunden –

Ich stelle mir vor, dass aus ihnen Wurzeln wachsen, die tief in die Erde reichen – Durch die Wurzeln empfange ich die Kraft aus der Erde –

Diese Kraft durchdringt meinen ganzen Körper, von den Fußsohlen über meine Wirbelsäule bis in die Fingerspitzen und Haarspitzen –

mein Kopf ist ausgerichtet auf den Himmel –

So bin ich da –

geschaffen von dir –

hineingestellt in diese Welt –

in deine wunderbare Schöpfung –

Der Atem durchströmt mich und haucht mir Leben ein –

Leben, das von dir kommt –

wie wunderbar hast du mich geschaffen –

einmalig, kostbar und schön –

Ich atme tief ein, ich atme tief aus –

und verbleibe in Gottes liebendem Blick –

Dann verneige ich mich vor Gott

 

Lied: Erfreue dich, Himmel…

 

Unser Boden, auf dem wir stehen…

 

Wenige Zentimeter unter unseren Füßen liegt ein verborgenes Universum: unser Boden. Der Boden ist nur eine dünne Schicht, die unseren gesamten Planeten umgibt, und doch existieren in ihm mehr Lebewesen, als es Menschen gibt. Der tiefste Teil dieser Schicht brauchte eine Million Jahre, um zu entstehen. Der obere Teil des Bodens, der uns ernährt und das Klima reguliert, braucht Jahrhunderte. Ein gesunder fruchtbarer Boden ist der am dichtesten besiedelte und vielfältigste Lebensraum der Erde. Nur durch das Zusammenspiel von Milliarden von Mikroorganismen und Kleinlebewesen entsteht diese überlebenswichtige dünne Schicht unseres Bodens. Als Teil des Wasser- und Nährstoffhaushalts speichert er Regenwasser und Nährstoffe, schützt das Grundwasser vor Verschmutzung, reduziert Treibhausgase und reguliert die Feuchtigkeit. Gesunder Boden wird zur Frage des Überlebens für die gesamte Menschheit!

 

Ausbeutung des Bodens

 

Dennoch sind wir im Begriff, die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu zerstören. Der Mensch betreibt Raubbau mit dem Boden, weil er die Ehrfurcht vor dem verloren hat, was ihn hält und ernährt. In Europa sind schätzungsweise 30 Millionen Hektar Ackerland weitgehend irreparabel verdichtet. Die Hauptursachen der Bodenverdichtung sind die intensive Bodenbearbeitung und die zunehmende Achslast schwerer Maschinen. Die so essenzielle Bodenbelüftung wird durch die Komprimierung der Bodenporen verhindert. Die Folgen sind Ertragsrückgang, Bodenmüdigkeit, geringere Wasseraufnahme bis hin zu Überschwemmungen.

Viele Ackerböden sind krank, weil sie seit Jahrzehnten mit giftigen Pestiziden und künstlichen Düngemitteln behandelt werden. Fruchtbare Böden werden immer seltener. Doch sie sind unverzichtbar für die menschliche Ernährung. Es braucht ein Umdenken in der industriellen Landwirtschaft. Durch industrielle Tierhaltung fallen enorme Mengen Gülle an, die das Grundwasser, Flüsse, Seen und Meere mit Nitrat und die Atmosphäre mit Ammoniak belasten. Aufgrund von Monokulturen und Pestiziden gehen natürliche Lebensräume für Insekten und andere Tiere verloren, der Artenschwund ist dadurch rasant. Der Einsatz von zu viel Chemie sorgt für Artensterben, kontaminierte Böden und das Verschwinden von Mikroorganismen. Rund 90 000 Tonnen Pestizide kommen jährlich zum Einsatz. Ein Milliarden-geschäft für Chemieunternehmen. Aber mit den Pestiziden werden in der Landwirtschaft nicht nur Schädlinge und Pilze vernichtet, sondern auch Nützlinge wie Bienen und andere Insekten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass seit Beginn der Industrialisierung bis zu einer halbem Million Insektenarten aufgrund von Lebensraumzerstörung und immer größerem Einsatz von Pestiziden ausgestorben seien. Die Zahl der bedrohten und bereits ausgestorbenen Arten wird in einem bestürzenden Maße unterschätzt. Es betrifft Schmetterlinge, Bienen, Ameisen, Spinnen, Käfern und weitere Insektengruppen. Papst Franziskus schreibt in `Laudato Si´: „Möglicherweise beunruhigt es uns, vom Aussterben eines Säugetiers oder eines Vogels zu erfahren, weil sie uns mehr vor Augen sind. Doch für das gute Funktionieren des Ökosystems sind auch die Pilze, die Algen, die Würmer, die Insekten, die Reptilien und die unzählige Vielfalt von Mikroorganismen notwendig.“ Dabei ist das Ausmaß des Insektenschwundes nur schwer zu ermitteln, weil nur etwa jede fünfte aller weltweit geschätzten 5,5 Millionen Insektenspezies bekannt ist und einen Namen hat. Ein weltweit anerkannter Biologe sagt: „Wir wissen noch lange nicht alles über Insekten, aber wir haben genügend Erkenntnisse, um zu wissen: Es ist höchste Zeit zum Handeln! Weil die Natur und die Artenvielfalt keinen Marktpreis haben, nutzen die Menschen diese Ressourcen so, als seien sie umsonst. Die Lösung liegt daher nicht darin, die Marktpreise abzuschaffen, sondern im Gegenteil Preise für die Nutzung der Natur zu ermitteln. Ziel ist es, in einem sehr weiten Sinne mit der Natur als einem Vermögen der Menschheit zu rechnen.

 

Lied: Eine Handvoll Erde…

 

Lesung aus dem Buch Genesis (Gen 2,4-15)

 

Das Folgende ist die Geschichte der Kinder von Himmel und Erde, seit diese erschaffen wurden: Am Tage, als Gott Erde und Himmel machte, gab es noch keine Sträucher des Feldes auf der Erde und das Grün der Felder war noch nicht aufgesprossen, denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen auf die Erde, und es gab auch noch keine Menschen, um den Acker zu bearbeiten. Nur ein Quell stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Ackers. Da bildete Gott, Adam, das Menschenwesen, aus Erde vom Acker und blies in seine Nase Lebensatem. Da wurde der Mensch atmendes Leben. Nun legte Gott einen Garten in Eden an, das ist im Osten, und setzte das gerade geformte Menschenwesen dort hinein. Aus dem Acker ließ Gott sodann alle Bäume aufsprießen, reizvoll zum Ansehen und gut zum Essen, samt dem Baum des Lebens in der Mitte des Gartens und dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Und Gott nahm das Menschenwesen und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden, um ihn zu bearbeiten und zu behüten.

 

Lied: Die Erde ist schön…

 

Gott hat als Wohnsitz für uns Menschen eine wunderbare Erde erschaffen, einen blühenden Garten, eine fruchtbare Oase. Und Gott hat uns aufgetragen, diesen blühenden Garten zu bebauen und zu behüten. Er hat diesen Garten geschaffen als das gemeinsame Haus für alle Menschen. Doch wir Menschen missachten diesen göttlichen Auftrag. Wir sind blind geworden für die geheimnisvolle Vielfalt und einmalige Schönheit dieses Gartens. Wir wollen ihn besitzen, über ihn verfügen und nach unseren Interessen umgestalten. Was nicht dem Profit dient, wird ausgemerzt und vergiftet. Was uns im Wege steht, wird weggebaggert, aufgefüllt, zubetoniert und begradigt. Wir diktieren dem Garten Eden unsere Ordnung: immer mehr, immer schneller, immer weiter. Was wächst und Früchte bringt, wird ausgepresst, eingestampft und umgewandelt, immer weniger, um die Menschen weltweit zu ernähren, immer mehr, um unsere Tanks zu füllen. Hören wir den Schrei der Armen und den Schrei der Erde? Papst Franziskus schreibt in seiner Enzyklika ´Laudato Si´: “Wir kommen heute nicht umhin anzuerkennen, dass ein wirklich ökologischer Ansatz sich immer in einen sozialen Ansatz verwandelt, der die Gerechtigkeit in die Umweltdiskussionen aufnehmen muss, um die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde.“

Wissenschaftliche Studien sprechen seit Jahren vom sogenannten Erd- erschöpfungstag, vom Erd- überlastungstag oder in englischer Sprache vom sogenannten overshootday. Das heißt, wir überziehen das Ressourcenkonto unseres Planeten. Im vergangenen Jahr waren am 22. August 2020 die gesamten nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde bereits aufgebraucht, die uns für ein Jahr zur Verfügung stehen. Im Jahr 2019 bereits am 29. Juli. Ab diesem Tag brauchten wir eine zweite Erde. Wir leben sozusagen auf Pump. Junge Menschen wollen nicht länger zuschauen, wie sie ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden. Die Corona-Pandemie hat den weltweiten Ressourcenverbrauch etwas verringert. Wollen wir wieder zum alten Lebensstil zurückkehren oder sind wir bereit, aus der Pandemie zu lernen und Konsequenzen zu ziehen.

 

Lied: Gott gab uns Atem, damit wir leben

 

Fürbitten

 

An Pfingsten singen wir zu den Psalmen den bekannten Kehrvers: Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu…Ist uns die revolutionäre Botschaft dieses Kehrverses schon einmal wirklich bewusstgeworden? Spüren wir die Tragweite dieser Bitte um den Heiligen Geist? Hilf uns, Heiliger Geist, die Erde, unser gemeinsames Haus, vor ihrem Burnout, ihrer Erschöpfung zu bewahren und sie zu retten:

- Sende aus deinen Geist…

 

Schenke uns den Geist der Einheit, der Menschen und Gruppen zusammenführt, die für die Schöpfung Verantwortung tragen, alle, die den Boden bewirtschaften, Tiere züchten und unsere Lebensmittel erzeugen, alle, die für den Transport und die Vermarktung dieser Güter Verantwortung tragen und daran verdienen und alle, die diese Produkte kaufen und konsumieren. Dein Geist bewahre vor gegenseitigen Schuldzuweisungen und Verleumdungen und lasse sie spüren, dass alle zum Umdenken und zum Anders Handeln aufgefordert sind…

- Sende aus deinen Geist…

 

Schenke uns den Geist der Ehrfurcht und Demut vor allem, was wächst, blüht und lebt, in der behutsamen Bearbeitung des Bodens – frei von ständiger Ertragssteigerung und Profitgier, in dem respektvollen und artgerechten Umgang mit Tieren, - frei von einer überdimensionalen Massentierhaltung, und dem rechten Gebrauch und Konsum von allem, was uns als Nahrung dient – ohne Verschwendung und obszöner Genusssucht…

- Sende aus deinen Geist…

 

Schenke uns den Geist der Stärke und der Zivilcourage, um auf politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen so Einfluss nehmen zu können, dass eine artgerechte, die Erde schonende Landwirtschaftspolitik, eine auf erneuerbare Energie setzende Industriepolitik und eine alternative Verkehrspolitik zur Erreichung der Klimaziele beitragen können…

- Sende aus deinen Geist…

 

Schenke uns den Geist der Solidarität und Geschwisterlichkeit, der uns neben dem Schrei der Erde auch den Schrei der Armen hören lässt und uns bewusstmacht, wie sehr wir Bewohner der sogenannten nördlichen Hemisphäre die große Mehrheit der zur Verfügung stehenden Ressourcen verbrauchen, die Armen ihrer Lebensgrundlage berauben und sie die verheerenden Auswirkungen einer verfehlten Klimapolitik in besonderer Weise spüren lassen…

- Sende aus deinen Geist…

 

Schenke uns den Geist der Erkenntnis, der vor allem uns Christen in unseren Kirchen zum Anwalt einer erschöpften Erde und eines geplünderten Planeten werden lässt, weil du uns diesen Planeten als gemeinsames Haus anvertraut hast und der uns dazu führt, mit allen politischen und zivilgesellschaftlichen Gruppen und Initiativen zusammenzuarbeiten, die sich für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit einsetzen…

- Sende aus deinen Geist…

 

Vater Unser

 

Segen

 

Es segne uns Gott

Ursprung und Quelle

Anfang und Ende

Vater und Mutter

Fülle und Halt der Schöpfung

Es segne uns Gott

Mensch und Fleisch solidarisch

in Freud und Leid

Hoffnung der Schwachen und Erniedrigten

Der Tod des Todes

Jesus Christus

Es segne uns Gott

Atem und Hauch

Leben und Kraft

Friede und Freude

Einheit und Vielfalt

der Heilige Geist

es segne uns der dreifaltige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Donaugebet April 2021 zum Heimgang von Lorenz Rauschecker

Johannes-Evangelium, 17, 9 – 19 „Politik und Mystik“ Tiefe, innige Verbundenheit: Gott im Menschen und der Mensch in Gott. Das ist für Jesus Einheit. Um diese Einheit betet er, und er meint nicht eine äußere, organisatorische Einheit, sondern die tiefe spirituelle Verbundenheit mit Gott und den Menschen. Von dieser mystischen Einheit muss alles Handeln und Wirken der Gläubigen durchwirkt und geprägt sein. Eine kurze theologische Formel im Geiste des II. Vaticanischen Konzils nennt diese Verbundenheit: Mystik und Politik und bedeutet: Wer im Sinne Jesu an Gott glaubt, steht in großer Ehrfurcht vor dem Schöpfer-Gott, steht in Ehrfurcht vor allem Leben, in Ehrfurcht vor den Menschen, in Ehrfurcht vor den Tieren, steht in Ehrfurcht vor der ganzen Schöpfung Gottes. Christen, - verantwortlich im Geiste der Einheit, - dürfen niemals aufhören, prophetisch zu erinnern an Gott als den Schöpfer der Welt gegen die Lust und Verführung von Wirtschaft und Politik, alles planen und machen zu können, was wirtschaftlichen Interessen dient. Dietrich Bonhoeffer nimmt uns in die Verantwortung und sagt: „Der Kirche hat es nicht um das Jenseits, sondern um diese Welt zu gehen, wie sie geschaffen, erhalten, in Gesetze gefasst, versöhnt und erneuert wird.“ Das also meint Mystik und Politik: Weltverantwortung aus tiefem Glauben an Gott. Welt und Schöpfung ist ganz Gott-voll und alles, was Menschen der Schöpfung antun, tun sie Gott an. (L.Rauschecker)

Donaugebet am 28. März 2021 zum Misereor-Hungertuch Es geht!Anders

Grußwort zum Donaugebet am 28.3.2021 Liebe Freundinnen und Freunde der Donau, „Es geht! Anders.“ Lautet das Motto der diesjährigen MISEREOR-Fastenaktion. Dieses Anders erleben wir tagtäglich seit fast einem Jahr: Abstand, Masken, Existenzsorgen, Ausgangsbeschränkungen, die Angst vor Ansteckung oder der Verlust nahestehender Menschen mischen sich mit den Herausforderungen des täglichen Lebens. Ebenso bleiben Klimaerhitzung, Regenwaldabholzung, aber auch das Absterben vieler Wälder und die Versiegelung fruchtbaren Landes bei uns mahnende Zeichen, dass es nicht einfach so weitergehen kann wie bisher. Unseren Projektpartner*innen in Bolivien und weltweit geht es ebenso, bisweilen noch drastischer, da die Versorgung mit Sauerstoff, Hygieneartikeln, Desinfektionsmitteln oder Masken neben dem Kampf um Land und Ernährungssouveränität nicht selbstverständlich ist. Umso dankbarer bin ich, dass Sie hier seit so vielen Jahren zeigen, dass Ihnen Solidarität mit der Schöpfung – hier ganz nah an der Donau, aber auch weltweit, wichtig sind. Denn nur gemeinsam und in der ständigen Bereitschaft zur Umkehr im Denken, Handeln und unserer Lebensweise können wir mitbauen an einer sozial und ökologisch gerechten Zukunft. Dazu lädt das MISEREOR-Hungertuch „Du stellst meine Füße auf weiten Raum – Kraft des Wandels“ der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno-Sánchez, die in Augsburg lebt und wirkt, ein. Christentum bleibt nicht in der Betrachtung des Leides stehen, sondern geht durch das Leid hindurch mitten hinein ins Leben. Hoffnung. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mitten in der Krisenzeit der Pandemie Ihre Kraft, Ihre Hoffnung und Ihren Mut entdecken. Unser Glaube und das Evangelium – die frohmachende Botschaft Jesu Christi - sind hier immer wieder Auftrag, Halt und Herausforderung zugleich. Denn: ES GEHT! Anders. Eure Barbara Schmidt Leiterin MISEREOR in Bayern

Donaugebet am 28. März zum Misereor-Hungertuch

Donaugebet am 28.03.2021

Du stellst meine Füße auf w e i t e n Raum

Die Kraft des Wandels Misereor-Hungertuch 2021/22

gestaltet von Lilian Moreno Sanchez

Ablauf:

Instrumental 1:

1. Grußwort Barbara

2. Gruß und Hinführung

Instrumentalstück 2

3. Meditation 1:

Du stellst meine Füße auf weiten Raum Betrachten Besinnen Bedenken

Instrumentalstück 3

Beten

Instrumentalstück 4

4. Gemeinsames Psalmgebet Kurze Stille

5. Spuren der Erde – Spuren des Himmels Betrachten Besinnen Bedenken

Instrumentalstück 5

Beten

Intrumentalstück 6

6. Ansprache

7. Segen

Instrumentalstück 7

Ausführende: Freund*innen der Donau Niederalteich Freund*innen der Ilz Ruderting (Elisabeth Schmidt)

Sachausschuss für Entwicklung, Frieden, Partnerschaft im Diözesanrat Bistum Passau (Johannes Schmidt)

Misereor in Bayern (Barbara Schmidt)

Instrumentalstück 1

Begrüßung:

Liebe Freundinnen und Freunde der Donau, einen herzlichen Gruß und ein herzliches Willkommen zu diesem Donaugebet auch von den Freundinnen und Freunden der Ilz in Ruderting. Es ist uns immer eine besondere Ehre, ein Donaugebet gestalten zu dürfen. Wir vertreten heute sozusagen Misereor, das Bischöfliche Hilfswerk, dass weltweit an die 4000 Projekte der Entwicklungszusammenarbeit fördert, unterstützt und mit dazu beiträgt, dass die Projektpartner in den Regionen ein gutes Leben führen können. Wir wollen Ihnen heute das Misereor-Hungertuch vorstellen und ein wenig auf die Fastenaktion von Misereor mit dem diesjährigen Leitwort ES GEHT. ANDERS! Und laden Sie herzlich ein, sich darauf einzulassen. Liebe Freundinnen und Freunde, was können wir mit unseren Füßen nicht alles machen! Unsere Füße tragen uns. Sie geben festen Stand. Wir marschieren und stampfen protestierend auf. Beim Spielen und Tanzen drücken wir mit ihnen unsere Freude aus und beim Pilgern lassen wir uns in die Weite Gottes tragen. In diese Weite wollen auch wir heute eine Brücke schlagen nach Amazonien, nach Bolivien und nach Lateinamerika, gemäß dem 2500jährigen Psalmgebet 31: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Die Chilenin Lilian Moreno Sanchez hat das Hungertuch gestaltet und unter diesen Leitgedanken gestellt. Sie ist in der Zeit der Pinochet-Diktatur aufgewachsen und lebt seit Mitte der 90er Jahre in Süddeutschland. In ihrer Kunst durchbricht sie die Oberflächlichkeiten des Lebens und kreist, die Erfahrungen während der chilenischen Militärdiktatur verarbeitend, um Leid und seine Überwindung durch Solidarität. Dabei verarbeitet sie oft Röntgenbilder und trägt ihre Zeichnungen auf Krankenbettwäsche aus einem Frauenkloster auf. Lilian Morenos Werke bleiben dabei nicht bei der Passion, beim Leid, stehen: Über aller Realität steht auch schon die österliche Verklärung, ausgedrückt durch die Goldfäden und die goldenen Blätter. Das Hungertuch erzählt so auch von der Kraft des Wandels durch Heilung. Wir haben diese Kraft, um die Welt gerechter zu machen. Davon ist Lilian Moreno Sanchez überzeugt. Aus Zeitgründen können wir nur in zwei Meditationen in die Aussagen des Hungertuchs etwas vertiefen.

Instrumentalstück 1

Du stellst meine Füße auf weiten Raum Betrachten wir das Hungertuch Wir schauen uns das MISEREOR-Hungertuch an. Der erste Eindruck: kraftvoll, dynamisch, raumgreifend. Dreigeteilt - ein Triptychon. Schwungvolle Linien, von rechts oben in die Mitte unten - dann wieder aufwärts … Wie schwarze Wollfäden - im mittleren Teil chaotisch zusammen geknäuelt, gestaucht, unauflösbar. Viel Raum, helle Flächen mit dunkleren Flecken, immer wieder zarte Blumen… Die Farben: Weiß, Schwarz und Gold … Was sehe ich?  Einen menschlichen Fuß: Dazu gibt es viele Assoziationen. Ökologischer Fußabdruck. Fußwaschung. Fuß als Fundament. Fußtritt. Auf großem Fuß leben. Leichtfüßig durch’s Leben gehen… Einen verletzten Fuß: Die Mitte ist gebrochen und verwundet. Ich lese, dass auf diesem Hungertuch das Röntgenbild eines Menschen abgebildet ist, der bei einer Demonstration auf dem „Platz der Würde“ in Santiago de Chile im Herbst 2019 schwer verletzt worden ist. Ein bekanntes Gebet aus dem 14. Jahrhundert fällt mir ein: Christus hat keine Hände, nur unsere Hände… Er hat keine Füße, nur unsere Füße… Erdspuren und goldene Blüten! Wo immer ich stehe – ich stehe in Gottes Weite. Besinnen wir uns Die Würde der Menschen: der aufrechte Gang auf Füßen die tragen und brechen und heilen Blumen hast Du ausgestreut unbeirrt mit Narben und auf Krücken folgen wir dieser goldenen Spur. © Ricarda Moufang Bedenken wir „Du schufst weiten Raum meinen Schritten, meine Knöchel wankten nicht.“ (Psalm 18,37) Psalm 18 wird König David zugeschrieben, der Gott dankt, weil er aus großer Not gerettet wurde. In der Erfahrung der Freiheit setzt er sein ganzes Vertrauen auf Gott.

Instrumentalstück 2

Beten wir gemeinsam Gott des Lebens, wunderbar hast du unsere Füße geschaffen, sie sind wahre Kunstwerke. Einen guten Stand haben, gehen dürfen, Schritt für Schritt voran kommen - das sind Erfahrungen, die uns guttun. Wir danken dir, Gott, für unsere Füße. Die Weite lockt uns: uns nach vorne wagen in bisher unbekanntes Land. Am Horizont das Ziel ahnen, das Haus, wo wir ankommen dürfen und Heimat finden. Wir wagen es, Gott, mit deiner Hilfe, unseren Weg zu gehen. An unserer Seite wissen wir treue Freunde, die uns begleiten. Dankbar sind wir für unseren Wegbegleiter Jesus, der alle Wege mit uns geht, sogar die Wege in Angst und Einsamkeit und den Weg durch das Tal des Todes. So wie du, Gott, ihn geführt hast zum ewigen Leben, so wird er uns führen auf dem Weg zu dir. Dank dir für Jesus, unseren Bruder.

Instrumentalstück 3

Gemeinsames Psalm-Gebet Psalm 31,1-9 2 Bei dir, Herr, suche ich Zuflucht, ich will nicht zuschanden werden auf ewig, in deiner Gerechtigkeit rette mich. 3 Neige zu mir dein Ohr, eile, mich zu befreien, sei mir ein Fels der Zuflucht, eine feste Burg, mich zu retten. 4 Denn mein Fels und meine Burg bist du, um deines Namens willen leite und führe mich. 5 Zieh mich aus dem Netz, das sie mir heimlich legten, denn du bist meine Zuflucht. 6 In deine Hand befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.  7 Ich hasse, die sich an nichtige Götzen halten, ich aber vertraue auf den Herrn. 8 Ich will frohlocken und mich freuen an deiner Gnade, dass du mein Elend gesehen, auf die Nöte meiner Seele geachtet hast. 9 Du hast mich nicht der Hand des Feindes ausgeliefert, hast meine Füße auf weiten Raum gestellt. 10 Sei mir gnädig, Herr, denn mir ist bange.

Stille

Instrumentalstück 4

Spuren der Erde – Spuren des Himmels Betrachten wir das Hungertuch Schmutzspuren auf dem Betttuch. Als ob jemand es mit ungewaschenen Händen angefasst hätte oder gar mit schmutzigen Stiefeln darauf getreten sei. Reste von Erde. Das Leben ist oft so schmutzig wie dieses Tuch. So schmutzig wie die Geschäfte, die auf Kosten der Ärmsten gemacht werden. Das Hungertuch zeigt das Röntgenbild eines Menschen, dessen Fuß bei Demonstrationen im Oktober 2019 schwer verletzt wurde. Die Proteste auf dem „Platz der Würde“ in Santiago de Chile richteten sich gegen die soziale Ausbeutung durch Großkonzerne. Fast 5000 Menschen wurden durch die Polizei verletzt, 26 kamen zu Tode, es gab schätzungsweise 7000 Verhaftungen. Erdspuren auf einem Betttuch. Sie erinnern mich an die Wirklichkeit. Wir leben auf einer Erde, auf der Menschen niedergemacht, verletzt und getötet werden. Wir leben auf einer Erde, die uns andererseits Wasser und Luft, Flüsse und Meere, Pflanzen und Tiere schenkt. Erfreut entdecke ich am oberen Rand des Bildausschnitts eine goldene Blüte. Oder ist es ein Stern? Ein Zeichen am Himmel? Ich hoffe, dass es nicht nur eine Illusion ist. Ich hoffe, dass es die Spur eines Himmels ist, der sich über uns auftut. Spuren Gottes, der auch auf die Menschen mit gebrochenen Füßen und gebrochenen Herzen ein Auge wirft und ihnen Heilung zusagt. Der uns Mut macht im Kampf um Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Der eine bessere Zukunft verheißt. Besinnen wir uns Wer sich die Hände nicht schmutzig machen will bleibt unberührt und heimatlos schreib es in den Staub und lies: Die Hoffnung wurde Mensch. Bedenken wir „Wir erwarten gemäß seiner Verheißung einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt.“ (2 Petr 3,13) Sind der neue Himmel und die neue Erde erst im „Jenseits“ möglich? Was können wir für eine gerechte Welt schon hier und heute tun?

Instrumentalstück 5

Beten wir gemeinsam Erde und Himmel. Warum liegen sie im Streit? Warum wird die Erde beschmutzt? Ausgebeutet? Warum werden ihre Ressourcen schamlos und schonungslos zu Geld gemacht? Warum werden tausende von Pflanzen- und Tierarten ausgerottet? Warum werden Menschen gefoltert? Warum wird ihre Würde mit Füßen getreten? Warum die schmutzigen Geschäfte, in denen sich Mächtige bereichern ohne Rücksicht auf die Menschlichkeit? Es ist doch unsere Mutter Erde, auf der wir leben. Die Erde, die du, Gott, uns anvertraut hast. Wir sehen Hoffnungszeichen. Wir sehen einen Stern aufgehen über der verletzten Welt. Es ist dein Stern, Gott, auf den wir hoffen. Du verleihst uns Mut und Kraft, die Getretenen und Gebrochenen zu stärken. Du schenkst uns den Mut und die Kraft zur Liebe.

Instrumentalstück 6

Ansprache:

Lektor 1

Liebe Schwestern und Brüder, „Es geht! Anders.“ – So lautet heuer das Leitwort der MISEREOR-Fastenaktion. Es ist eine Zusage und ein Aufruf gleichermaßen. Es trifft auf eine Zeit und eine Welt, die wir im Ringen darum erleben, wie es „anders“ gehen kann. Vielfältige Veränderungsprozesse sind im Gange: In der Kirche, in der Gesellschaft, in der Politik. Hier bei uns in Deutschland, in Europa und weltweit. Die Corona-Krise hat wie in einem Brennglas gezeigt, wo Veränderung nötig ist, wo Strukturen nicht dem Leben und der Sicherheit dienen, hat Ungerechtigkeiten noch einmal mehr in den Fokus gerückt und verschärft: Verteilung von Macht und Ressourcen, die Balance zwischen Bewahren und Erneuern, der Stellenwert von Berufen und Dienstleistungen, die plötzlich als ‚systemrelevant‘ benannt und erkannt wurden.

Lektor 2

„Es geht! Anders.“ Niemand von uns würde wohl von sich behaupten, sich Veränderungen grundsätzlich verschließen zu wollen. Doch: Wenn es mich trifft. Wenn es meine Art zu leben betrifft. Wenn es nicht nur hip und modern ist, sondern meine Werte in Frage stellt… Was dann? Wir erleben eine Welt im Wandel und eine Welt in Aufruhr: Proteste, Populismus und rechtsradikale Strömungen sind ein Ausdruck auch der Ängste, manchmal auch der Existenzängste, die Veränderungsprozesse hervorrufen. Viele Fragen unserer Zeit sind nicht mit einfachen Antworten zu lösen. Die Komplexität überfordert, macht ratlos, verleitet zum Rückzug, zur Resignation. Wir sind gefordert, Zusammenhänge zu verstehen, Antworten zu finden, Vorläufigkeiten auszuhalten. Warum können wir dem Raubbau an den Ressourcen nicht Einhalt gebieten? Warum gelingt ein solidarisches weltweites Miteinander nicht? Warum finden wir keinen Weg zu einer Gesellschaftsordnung, die allen Menschen Zugang zu Bildung und Gesundheitsvorsorge und einem Leben in Sicherheit ermöglicht? Warum verändern wir unsere Wirtschaft und unsere Lebensweise nicht so, dass der Klimawandel eingedämmt werden kann? Fragen, die uns mit den Menschen in Bolivien, dem Schwerpunktland der Misereor-Aktion, aber auch weltweit verbinden. Die Volksgruppen, mit denen die Caritas Reyes und CEJIS (sprich: Sechis) im Amazonas-Regenwald Boliviens zusammenarbeiten, erleben den Zerfall von Familien- und Gemeinschaftsstrukturen, den Raubbau an ihren Ressourcen, die Sehnsucht der Jugend nach einem Leben, das Anteil hat an unseren Konsumweisen. Traditionen werden geringgeachtet, und besonders die indigenen Gruppen stehen vor der Gefahr, dass ihre eigene Kultur verloren geht.

Lektor 1

„Es geht! Anders.“ – Und doch können wir schon sehen, wie es anders gehen kann: Das Gebot, Zusammenkünfte einzuschränken, hat uns hier in Deutschland den Wert von Familie und Gemeinschaft – den Wert des Nächsten – vor Augen geführt. Im Vermissen von sonst selbstverständlichen Treffen und Besuchen ist die Wertschätzung für den Zusammenhalt und das Miteinander gewachsen. In der Kirche mussten wir über eine längere Zeit auf öffentliche Gottesdienste verzichten und haben dabei auch neue Wege gefunden, unseren Glauben zu leben, die Beziehung zu Gott zu pflegen und einander Signale der Verbundenheit zu senden. Infektionen in Wirtschaftsbetrieben haben vor Augen geführt, wie lebensbedrohlich soziale Missstände und wirtschaftliche Ausbeutung von Menschen sein können. Unser Blick auf die Umstände, unter denen unsere Waren produziert werden, hat sich geschärft und das von Bundestag und Europaparlament auf den Weg gebrachte Lieferkettengesetz ist ein Hoffnungsschimmer der Veränderung. Traditionelle Formen der Resteverwertung und Mehrfachnutzung von Ressourcen erfahren eine Renaissance in Modellen des Upcyclings, bei Kleider-Tausch-Partys oder in Reparatur-Cafés. Und last but not least hat Deutschland dank des Rückgangs von Verkehr und Energieverbrauch die Reduzierung der CO2-Emissionen doch noch erreicht.

Lektor 2:

„Es geht! Anders.“ – In Bolivien erleben die Indigenen die Kraft der Rückbesinnung auf traditionelle Anbauformen, verknüpft mit neuen, naturnahen Methoden. In einer Umgebung, die die indigene Kultur geringachtet, erfahren sie so Wertschätzung und Bestärkung und haben mit CEJIS einen Partner an ihrer Seite, der sie unterstützt, für ihre Rechte und politische Teilhabe einzutreten.

Lektor 1 :

Es geht! Anders. Das Leben wird sich durchsetzen, ein Wandel ist möglich! Das zeigen uns auch Lilian Sanchez Moreno mit den im Hungertuch verwendeten Goldfäden! Wir haben einen Gott an unserer Seite, der uns auf dem Weg der Veränderung begleitet. Der darum weiß, dass es von der Einsicht, über die Absicht hin zum Tun oft ein langer Weg ist: Für mich ganz persönlich, ebenso wie für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft. Für die Indigenen Völker Amazoniens ebenso wie für uns an der Donau. Schöpfen wir aus jeder kleinen Veränderung, die uns gelingt, den Mut und die Zuversicht, dass auch im Großen eine andere Welt‘ möglich ist. Dabei dürfen wir uns auch verbunden fühlen mit Indigenen in Bolivien, ebenso wie mit vielen Menschen an vielen Orten weltweit. Amen. FÜRBITTEN

Lektor 2:

Gott sieht in unser Herz, wirkt in uns und durch uns und weiß um alles, was uns und die Menschen weltweit bewegt. Im Vertrauen darauf bringen wir unsere Bitten und die Anliegen unserer Zeit ins Wort:

Lektor 1

Meine Familie ist mein Zuhause. Hier leben, streiten und lieben wir. Ich weiß um die Zerbrechlichkeit dieses Glücks und weiß mich so verbunden mit Menschen, hier an der Donau, in Bolivien und weltweit, die um den familiären Zusammenhalt ringen.

Stille

Lektor 2:

Lasst uns beten für alle Familien: Um gegenseitige Achtung und Wertschätzung. Um Verständnis und Gelassenheit. Und lasst uns beten für alle, deren Familienbande bedroht oder zerrissen sind. Es geht! Anders. Wir bitten dich um Deine Hilfe, Gott! Alle: Wir bitten dich um Deine Hilfe, Gott!

Lektor 1:

Die Schöpfung ist das Geschenk Gottes an uns und das gemeinsame Haus aller Menschen. Die Menschen in Bolivien erleben den gierigen Zugriff auf ihr Land. Stille

Lektor 2:

Lasst uns beten für alle, die sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren: Um Ausdauer und Zuversicht. Um Überzeugungskraft und Willensstärke. Und lasst uns beten für alle in Politik und Gesellschaft, die für Strukturen und Gesetze verantwortlich sind Es geht! Anders. Alle: Wir bitten dich um Deine Hilfe, Gott!

Lektor 1:

Leben ist Wandel, beständige Veränderung. Der nächste Tag schon bringt Neues, das Gestrige muss ich hinter mir lassen.

Stille

Lektor 2:

Lasst uns beten für uns: Um die Bereitschaft zu Besinnung und Umkehr. Um den rechten Blick auf das, was Leben fördert. Und lasst uns beten für alle, denen Veränderung Angst macht und für die, die sich überfordert fühlen. Es geht! Anders. Alle: Wir bitten dich um Deine Hilfe, Gott!

Lektor 1:

Die Corona-Pandemie hat viele Menschen und Länder vor enorme Herausforderungen gestellt. Es mangelt vielfach an Tests und Impfstoffen, Sauerstoffgeräten und Sauerstoff.

Stille

Lektor 2:

Lasst uns beten für alle, die bei uns, in Bolivien und weltweit Sorge tragen für die Verteilung von Hilfen: Um Fairness und Solidarität. Um Empathie und Begegnung auf Augenhöhe. Lasst uns auch beten für alle, die die Folgen der Pandemie für ihre Zwecke missbrauchen. Und lasst uns beten für die Opfer der Pandemie, für die Patienten auf den Intensivstationen und in den Armenvierteln weltweit.. Es geht! Anders. Alle: Wir bitten dich um Deine Hilfe, Gott! Lektor 1 Mit dir, Gott, an unserer Seite gehen wir den Weg zwischen Bewahrung und Veränderung. Du lenkst unseren Blick auf das, was geht, und auch darauf, wie es anders gehen kann. Dafür danken wir dir und loben dich heute und in Ewigkeit. Amen.

Vaterunser-Bitte:

Dein Reich komme – das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat, ist die gemeinsame Bitte aller Christinnen und Christen um Veränderung und Wandel. Bitten wir, dass wir verwandelt werden, fähig zu einem neuen Miteinander. Einem Miteinander mit unseren Nächsten und der Schöpfung, dass Gottes Reich kommen kann. Beten wir gemeinsam: Vater Unser… Schlussgebet Lektor: Gott, dein Wort stärkt uns und gibt uns Kraft für unseren Weg. Kraft und Stärke, an deinem Reich mitzubauen. Kraft und Stärke, zu überwinden, was uns hindert, den Weg der Gerechtigkeit zu gehen, unserem Leben und unserem Miteinander in dieser einen Welt eine neue Richtung zu geben. Wirke du in unseren Herzen, lass den Samen wachsen und reifen, den du heute in uns gepflanzt hast. So können wir nun gehen in unseren Alltag auf deinen Wegen hoffnungsvoll. Amen.

Segen Ihr geht. Anders. Verwandelt, hoffnungsvoll, bestärkt.

Ihr geht.Anders gesegnet, begleitet, behütet

Ihr geht als Söhne und Töchter Prophetinnen und Propheten Botinnen und Boten –

Ihr geht! Anders. Eure und unsere Wege Eure und unsere Gedanken Eure und unsere Taten begleite mit seinem Segen der dreieine Gott, der uns Mutter und Vater ist + und der Sohn + und der Heilige Geist. Amen.

Instrumentalstück 7

Donaugebet „Pandemie und Ökologie – worauf setzen wir unsere Hoffnung?“ am 28. Februar 2021

1. Begrüßung

Wir begrüßen Sie alle ganz herzlich zu unserem heutigen Schöpfungsgebet. Dieses Gebet wird gestaltet vom Ökumenischen Aktionskreis „Lebendige Donau“, vertreten durch Marlis Thalhammer, Monika Vogl und Elfriede-Maria Heining. Wir haben es unter das Thema gestellt „Pandemie und Ökologie – worauf setzen wir unsere Hoffnung?“. Wir verbinden uns mit den Beterinnen und Betern in Oberalteich und beginnen unser Gebet im Namen des VATERS und des SOHNES und des HEILIGEN GEISTES. Amen

2. Gongklang

3. Hinführung

Genau vor 9 Monaten hat uns beim Junigebet, das wir damals digital aufnahmen, Regionalbischof Klaus Stiegler von Regensburg das „Hohe Lied der Hoffnung“ aus dem Römerbrief ins Herz gelegt. Mich persönlich begleitet seither dieses Pauluswort, wir werden es nachher hören. Damals standen wir am Ende des ersten Lockdowns – und wir dachten, wir hätten es geschafft, das Virus in die Schranken zu weisen. Und heute? Die Pandemie hat uns immer noch voll im Griff. „Rückkehr zur Normalität“, das große Sehnsuchtswort, ist allerorten zu hören. Doch wie wird diese neue Normalität aussehen? Unser Suchen nach tieferem Erahnen und wenigstens ansatzweisem Verstehen können unserer gegenwärtigen Situation – und die Frage: worauf setzen wir unsere Hoffnung? hat uns drei zusammengeführt, dieses Gebet heute vorzubereiten. Dabei haben uns zwei Texte inspiriert. Der erste eines Seminars zu Pandemie und Ökologie. Darin wird ausführlich behandelt, wie die gegenwärtige Krise Teil unserer gesamten ökologischen Krise ist, wie die Menschheit selbst diese Krise verursacht hat, dass unsere ganze Erde krank und COVID-19 ein Ausdruck davon ist. So wie Papst Franziskus vor fast einem Jahr, allein vor den Toren von St. Peter stehend, sagte: „Wir meinten, wir könnten in einer kranken Welt gesund bleiben.“ Der Text sagt deutlich: „Fassen wir diese Krise in ihrem ganzen Umfang ins Auge, dann müssen wir feststellen, dass heute das Leben der Erde als Ganzes in akuter Gefahr ist. Für die Erde aber gibt es kein Beatmungsgerät. Und es sind wir Menschen, die die Wälder, die Lungen der Erde und die Lebensräume der Tiere zerstören, um alles unserer technischen und ökonomischen Kontrolle zu unterwerfen.“ Der zweite Text, der uns inspiriert hat, ist aus der ersten Februar-Ausgabe der Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“. „Innehalten“ – ruft uns der Herausgeber Johannes Röser zu. Innehalten! Einige zentrale Stellen dieses Textes möchten wir jetzt mit Ihnen teilen. Innehalten - jetzt in diesem gemeinsamen Moment hier unterm Donaukreuz . Zwei instrumentale Einspielungen vom Junigebet begleiten uns dabei. „Jeder Teil dieser Erde“ – von Mirjam und Thomas Sigl und das Spiel auf der Okarina von Christian Slavik.

4. Instrumental „Jeder Teil…“

5. „Innehalten…“

a. Johannes Röser sieht in seinem Artikel durch die Pandemie unser ganzes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem in Frage gestellt. Er beginnt mit der Frage: „Mitten in der alle Völker betreffenden globalen Krise, einer der schwersten seit Menschengedenken ….. harren wir dem Ende der Einschränkungen entgegen. Um weiterzumachen wie bisher, gar noch beschleunigter das Versäumte nachzuholen, das Gewohnte zu übertreffen?... Was wird sein mit jenen, die als Opfer auf der Strecke geblieben sind, mit den Gestorbenen, mit den auf vielerlei Weise an Körper und Geist Verwundeten, den Trauernden, den Leidenden? Werden sie im neuen Konsumrausch rasch vergessen sein? … Der politische Theologe Johann Baptist Metz hatte stets eingefordert, die Opfer der Geschichte, die Leidensgeschichten der Besiegten nicht zu vergessen.“ Ihr Elend, das Elend des gesamten Volkes will vor GOTT getragen werden. Das ist Aufgabe des Gebetes, der Religion, meint Röser.

Worauf setzen wir unsere Hoffnung?

VATER, wir vertrauen auf die Macht des Gebetes und bringen DIR unsere verletzten Brüder und Schwestern, samt der geschundenen Schöpfung.

Instrumental – Okarina

b. Röser fragt weiter: Wie halten wir es in einer der christlichen Glaubenspraxis entfremdeten Kultur mit dem Realitätssinn der Buße, Reue und des Sündenbekenntnisses, der Zurückhaltung, Bescheidenheit und Askese angesichts einer Prüfung, die zurzeit kaum schwerer gedacht werden kann? “ Viele zeigen Verständnis für rechtzeitige strikte Maßnahmen zur Eindämmung von Corona. Doch oft suchen sich die Menschen dann ihre privaten Schlupflöcher. „Denn so ist der Mensch, dem es schwerfällt, sein Verhalten, seinen liebgewordenen Lebensstil einzuschränken – und sei es nur auf Zeit.“ „Sind wir wirklich nicht mehr bereit, Opfer dafür zu bringen, damit es möglichst wenige Opfer gibt? Innehalten! Das würde im Sinne einer kritischen Erinnerung ebenfalls bedeuten, schuldhaftes Versagen per Gewissenerforschung zu überprüfen, um daraus mit Reue und Vorsatz Konsequenzen zu ziehen. …

Worauf setzen wir unsere Hoffnung?

HERR, wir glauben, dass DU uns die Kraft gibst, unsere Vergehen zu erkennen und sie in DEIN barmherziges HERZ zu legen.

Instrumental - Okarina

c. Wie wird es weitergehen? Fragt Johannes Röser. Werden wir grad so weitermachen mit einer ökologisch verheerenden Wegwerf- und Verschwendungskultur, die Shopping, Freizeitspaß und exzessives Reisevergnügen an die oberste Stelle persönlichen Glücksempfindens gerückt hat? Jedes Jahr ein neues Smartphone, neue Kleider, in immer kürzeren Intervallen neue Möbel, neue Autos, während alte Fahrzeuge, obwohl noch tauglich, abgewrackt werden sollen, damit die Wirtschaft angekurbelt wird. … Braucht es nicht doch ein radikales privates Umdenken, einen einschneidenden Wandel tatsächlich ebenso des persönlichen Lebensstils – hin zu Einfachheit, Reduktion, Einschränkung, Abrüsten und Herunterfahren? Lockdown und Shutdown dauerhaft, nicht nur zu Corona-Zeiten?... Ist das Utopie oder werden wir als Kultur und Gesellschaft nach einem epochalen Innehalten doch einen Ausweg voller Mäßigung, die Tugend des Maßes und Maßhaltens, neu finden, der eine völlig neue ökonomische wie soziale Ordnung hervorbringt? Eventuell sogar mitinspiriert von einer christlichen Haltung und Hoffnung, die Fortschritt mit Sinn verbindet, mit einem Sinn, der darum weiß, dass wir in dieser Welt nicht ganz zuhause sind.

Worauf setzen wir unsere Hoffnung?

HERR, wir bitten DICH um DEINE KRAFT der Umkehr, die uns hilft zu lernen, maßzuhalten und uns auf das Wesentliche zu beschränken.

Instrumental - Okarina

d. Johann Baptist Metz schrieb im Eingangstext der Würzburger Synode, die sich heuer zum 50. Mal jährt, den Grundlagentext „Unsere Hoffnung“. Dort heißt es: ‚Mit zunehmender Deutlichkeit erfahren wir heute, dass diese Entwicklung nicht unbegrenzt ist, ja, dass die Grenzen der wirtschaftlichen Expansion, die Grenzen des Rohstoff- und Energieverbrauchs, die Grenzen des Lebensraums, die Grenzen der Umwelt- und Naturausbeutung eine wirtschaftliche Entwicklung aller Länder auf dieses Wohlstandniveau, das wir gegenwärtig haben und genießen, nicht zulassen. Angesichts dieser Situation wird von uns – im Interesse eines lebenswürdigen Überlebens der Menschheit - eine einschneidende Veränderung unserer Lebensmuster, eine drastische Wandlung unserer wirtschaftlichen und sozialen Lebens-prioritäten verlangt, und dies alles voraussichtlich noch innerhalb eines so kurzen Zeitraums, dass ein langsamer, konfliktfreier Lern- und Anpassungsvorgang kaum zu erwarten ist. Es werden uns neue Orientierungen unserer Interessen und Leistungsziele, aber auch neue Formen der Selbstbescheidung, gewissermaßen der kollektiven Aszese abverlangt. Werden wir die in dieser Situation enthaltene Zumutung aggressionsfrei verarbeiten können? Jedenfalls wird diese Situation zum Prüfstand für die moralischen Reserven unseren hochentwickelten Gesellschaften werden.“ Das wurde uns vor 50 Jahren gesagt. Röser dazu: Die Pandemie könnte für diesen tiefgreifenden Wandel ein neuer Ausgangspunkt sein. Corona ist längst weitaus mehr als nur eine Seuche, die unsere medizinische und pharmakologische Forschungsintelligenz herausfordert. Es geht um unser Leben, um den Sinn unseres Lebens, um ein Andersleben im Blick auf Diesseits und Jenseits. Eine in weiten Teilen des Christentums vergessene Gesellschaft dürfte dabei ein bisschen Inspiration durchaus noch von den Christen erhalten, die ernstnehmen, was sie glauben, lieben und hoffen.

Worauf setzen wir unsere Hoffnung?

HERR, hilf uns, aufzuwachen und uns neu zu orientieren an dem, was DU uns sagt, um daraus die neue Welt zu gestalten.

Instrumental - Okarina

e. Der Theologe Metz führt weiter: „Diese Hoffnung kommt nicht aus dem Ungewissen und treibt nicht ins Ungefähre. Sie wurzelt in Christus. Und sie klagt auch bei uns Christen die Erwartung SEINER Wiederkunft ein. Sie macht uns immer neu zu Menschen, die inmitten ihrer geschichtlichen Erfahrungen und Kämpfe ihr Haupt erheben und dem messianischen „Tag des HERRN“ entgegenblicken“. Christsein religiös – und politisch!

Worauf setzen wir unsere Hoffnung?

HERR, lehre uns, unsere Hoffnung allein auf DICH zu setzen, dass DU der HERR des Himmels und der Erde bist, dass DU uns führen wirst und wir in DIR den messianischen Tag des HERRN erwarten dürfen.

Instrumental – „Jeder Teil dieser Erde….“

6. Schrifttext aus Röm 8,28 / 15,13 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Der GOTT der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. Und in Genesis 9,8-17 gibt GOTT Noah und uns SEINE große Zusage: „Hiermit gehe ich meine Bundesverpflichtung euch gegenüber ein: Nicht noch einmal soll alles Fleisch von den Wassern der Himmelsflut vernichtet werden, nicht noch einmal soll die Flut kommen, die Erde zu verderben.“ Und GOTT sagte: „Darin besteht das Zeichen der Bundesverpflichtung, die ich festlege zwischen mir und der Erde… Der Bogen wird in den Wolken sein. Ich werde ihn sehen und an die ewige Bundesverpflichtung zwischen mir und allen lebendigen Wesen denken.“

7. Gongklang mit Stille

8. Vater unser

9. Papst Franziskus sagte in seiner Aschermittwochspredigt:

„Wir werden die gegenwärtige Krise nur in einer neuen Geschwisterlichkeit aller Menschen bewältigen können.“ Seine neue Enzyklika „Fratelli tutti“ ist dieser Vision gewidmet. Wir wollen mit dem Ökumenischen Gebet daraus abschließen. HERR, unser GOTT, dreifaltige Liebe, lass aus der Kraft DEINER innergöttlichen Gemeinschaft die geschwisterliche Liebe in uns hinein strömen. Schenke uns die Liebe, die in den Taten JESU, in der Familie von Nazareth und in der Gemeinschaft der ersten Christen aufscheint. Gib, dass wir Christen das Evangelium leben und in jedem Menschen CHRISTUS sehen können, dass wir IHN in der Angst der Verlassenen und Vergessenen dieser Welt als den Gekreuzigten erkennen und in jedem Bruder, der sich wieder erhebt, als den Auferstandenen. Komm, HEILIGER GEIST, zeige uns deine Schönheit, die in allen Völkern der Erde aufscheint, damit wir entdecken, dass sie alle wichtig sind, dass alle notwendig sind, dass sie verschiedene Gesichter der einen Menschheit sind, die DU liebst. Amen

10. Instrumental – „Jeder Teil….“

11. Abschluss: Dank an alle, die nah und fern mitgebetet haben

Donau-Kalender 2021

Auch für 2021 gibt es wieder den Donau-Kalender von den Freundinnen der Donau mit dem interessanten und vielfältigen Thema

"Schwester Wasser".

Preis: 9,50 EUR zzgl. Versandkosten.
Ab 10 Stück erhalten Sie ein Freiexemplar.

Bestellung per Post: Weltladen im Frauenzentrum e.V.,
Nördlicher Stadtgraben 33, 94469 Deggendorf

Telefonische Bestellung: Weltladen im Frauenzentrum e.V., 0991 / 379 08 50

Online-Bestellung: info@freundinnenderdonau.de
oder auch online über die Internetseite: Opens external link in new windowwww.freundinnenderdonau.de/shop.html

Donausegnung "Dahoam" 2021

Gleichsam ohne direkte, anwesende Beteiligung der Gebetsgemeinschaft am Donaukreuz fand die diesjährige Donausegnung am 10.01.2021 statt. Corona ließ es nicht zu. Die Gebete wurden deshalb von zu Hause aus gesprochen.


Predigt von Regionalbischof Klaus Stiegler zur Donaukreuzsegnungsfeier am 28. Juni 2020

Das Hohe Lied der Hoffnung Predigt von Regionalbischof Klaus Stiegler zum Donaugebet am Sonntag, 28. Juni 2020 Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Liebe Schwestern und Brüder im Glauben! An diesem wunderschönen Fleckchen Erde, die fließende Donau vor Augen, inmitten von blühenden Bäumen und Vogelgezwitscher in den Ohren, so feiern wir diese Andacht. Und zunächst möchte ich meinen Dank und meinen Respekt kundtun für all die Menschen die seit 26 Jahren hier in bester ökumenischer Verbundenheit gemeinsam für ihren Glauben einstehen und sich für die Schöpfung, die uns anvertraute Schöpfung, miteinander sorgen und engagieren und notfalls auch dafür kämpfen. Lassen Sie uns unsere Gedanken nun sammeln um einen Satz aus dem Römerbrief. Dort heißt es im 8. Kapitel: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Ein kühner, ein steiler Glaubenssatz des Apostels Paulus. „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Alles was geschieht in unserem Leben, alles was geschieht in dieser Welt soll uns zum Besten dienen? Können wir damit einstimmen, wenn wir auf unsere Lebensgeschichte zurückschauen oder hinausschauen in die weite Welt, können wir so von unserem Gott, von unserem Leben und unserem Glauben reden? Wenn dem so wäre, dann müssten wir sagen, dass auch die Corona-Pandemie, die die ganze Welt in Atem hält, zum Besten gehört, was uns hätte geschehen können. Würde dieser Satz so zu verstehen sein, dann liegt die Verharmlosung dessen was geschieht ganz nah. Dann wäre es ein Satz, der uns ergeben in schicksalhafte Ereignisse unser Leben führen ließe. Dass auch schwerste Lebenserfahrungen verharmlost würden. Ja das Leiden, das Menschen plagt, geschönt wird, so als ob es darin doch noch etwas zu lernen gäbe. Zynismus und stoische Ergebenheit in alles was geschieht, ist das die Spur, in die hinein uns unser Apostel Paulus führen möchte? Nein, sicher nicht. „Wir aber wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Paulus schreibt und redet so nachdem er im ganzen ersten Teil seines Römerbriefes ausgelotet hat, wie es um uns Menschen eigentlich vor Gott steht. Mit allem Glanz, mit allem Elend unseres Lebens. Vom Kreuz her schaut er auf unser Leben und so ist es wunderbar, dass wir auch hier unter dem Kreuz diese Andacht halten. Das Kreuz, dass uns wie ein Vorzeichen auf das Leben hineinschauen lässt. Und da wird Paulus sehr ehrlich und auch sehr persönlich. Er beschreibt in seinem Römerbrief die ganze menschliche Schwachheit, die wir auch kennen. Er verheimlicht nicht wie zerbrechlich und fragil unser menschliches Leben ist und wie begrenzt unsere menschlichen Kräfte auch sind. Das wir unseren Platz haben inmitten der ganzen Schöpfung, die stöhnt und sich ängstigt. So weit, dass es Erfahrungen im Leben gibt, wo uns die Worte fehlen. Und wo uns manchmal sogar die Worte zum Beten fehlen. In diese Schau auf unser Leben, auf unser Mensch sein, inmitten von Gottes Schöpfung stimmt Paulus dann doch dieses Hohe Lied der Hoffnung an. Und so bekommt dieses Bibelwort eine andere Klangfarbe als Zynismus oder einfach stoische Ergebenheit. Ja wie erleben es wie vor ein paar Monaten in China über ein paar Wildtiere Menschen erkrankt sind. Und wie in diesen Tagen in Europa das gesellschaftliche Leben stillsteht und die Wirtschaft bangt um die Zukunft. Wir erleben wie diese Welt verbunden ist. Vielleicht stellt sich ja auch gerade so die Frage wie das alles zur Güte von Gottes Schöpfung gehört. Wir dürfen die Corona-Krise nicht religiös aufladen so als ob die Schöpfung jetzt gegen uns Menschen zurückschlägt. Auch dieses schreckliche Virus ist Teil der Schöpfung. Dieses Virus gehört zu Gottes Schöpfung so wie die Lilien auf dem Feld und die Vögel auf den Bäumen. Gottes Schöpfung ist gut, so heißt es von Anfang an. Aber sie ist nicht abgeschlossen und sie ist nicht perfekt. Auch in Gottes Schöpfung ist das Potential zum Chaos. Das Tohuwabohu am Anfang, dem nur der Geist Gottes ordnend begegnen kann, die Sintflut-Geschichte oder auch die Plagen, biblische Erinnerung an das chaotische Potential, das auch in der Schöpfung Gottes schlummert. Und gerade deshalb und so haben wir Menschen den Auftrag diese Erde zu bebauen und zu bewahren. Immer wieder gilt es, das Chaos zu bändigen und zu ordnen. Und da haben wir Menschen inmitten aller anderen Geschöpfe unseren Platz und unsere Aufgabe. Dazu hat Gott uns Verstand gegeben, Vernunft und uns in die Verantwortung genommen. „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Und dazu sind wir Menschen berufen. Sensibilität für dieses Leben zu leben. Für den Ausgleich von Ökologie und Ökonomie und sozialem Frieden zu sorgen, sich einzusetzen und zu leben. Die Donau mit ihren 2900 Kilometern, sie fließt durch 10 Länder. Ein kleines Beispiel wie wir verknüpft und verbunden sind in unserem Leben auf Gottes Erdboden. Nationalistische, sich zurückziehende Haltungen, die nur auf das Eigene bedacht sind, führen nicht in die gemeinsame Zukunft. Das Hohe Lied der Hoffnung, das Paulus anstimmt, gründet darin, dass wir in unserem Leben gehalten sind in der Liebe Gottes. Dass uns von dieser Liebe nichts und niemand trennen kann. Weder Gegenwärtiges, weder Vergangenes noch Zukünftiges. Und darum haben wir Schaffenskraft und darum übernehmen wir Verantwortung und zeugen mit unserem Leben als Christen für die Liebe Gottes zu seiner Schöpfung. Und dann ja, dann geraten uns alle Dinge zum Besten, gehalten von diesem Gott, der immer wieder Zukunft eröffnet und immer wieder Kraft schenkt das Chaos zu bändigen. Amen.